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INGENIEUR-AUSGABE

26. JAHRGANG 1954 Nr.

ZEITSCHRIFT FÜR FUNKTECHNIKER e Erscheint am 5.und 20. eines jeden Monats e FRANZIS-VERLAG MUNCHEN-BERLIN

Aus dem Inhalt:

Sein oder Nichtsein........ 27. Zuftieden: «=... 3.0 @wuane $ 77

Das Neueste aus Radio- und Fernsehtechnik: Elektronenstrahl-Hörkopf für Magnettongeräte; Der hohe Turm von Stuttgart; Kombinationen aus Ferrit- und Pulverkernen ; Geätzte ghaltungenı Ein Leben für den un

Ba ae ae 78/79/80 Ein Pionier der Funktechnik: Dr. Siegmund Loewe... .... 80 Funktechnik und Elektroakustik helfen den Blinden ........ Der blinde Bastelfreund ..... 81 Kopfstrommeßgerät für Magnet- IONKonfe:n 2 %.0 wauatar dere arena 82 Leuchtstoffe für Elektronen- strahlröhren. ..... 2:1... 83 Funktechnische Fachliteratur... . 84 Ratschläge für den Entwurf von Fernsehemffängern .... ... 85 Fernsehstörungen durch Ama- teurstalionen . . .. 2. 222.. 87 Ohmmeter mit vollautomatischer Bereichswahl. .. . 2222.22 .. 88

FUNKSCHAU-Konstruktions- seiten: UKW-Grid-Dip-Meter. . 89

Billige Allwellenantenne . ...... 92 Transistor-Audion mit Gegentakt- BNAWUID: 44.0.5. u aa are are 94

z FUNKSCHAU-Prüfbericht:

: Telefunken-Adagio . ...... . 95 Nochmals Breitband - Elektronen- strahl-Oszillograf KO3...... 9% Briefe an die FUNKSCHAU- Redaklion : : ...... 0% oe n.amıge 97 Vorschläge für die Werkstatt- praxis:

Brummen von Netztransformato- ren ;Spritzlackieren m.dem Staub- sauger; Das Stahlstift-Phantom ; Klein-Wachskocher ; Trockenrasie- rer als Reparaturhilfe...... 98/99 Hochempfindlich.Röhrenvoltmeter 100

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Kompensations-Heißleiter ... . . 102 Neuerungen / Werks-Veröffent- Bchungen. „a 2. 200 na 00a; 103

Die INGENIEUR-AUSGABE enthält außerdem:

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Unser Titelbild: Ein neuartiger Meß- adapter mit Streifenschreiber in der Fließbandfertigung des Telefunken- Rundfunkgerätewerkes Berlin ermög- licht bis zu 34 automatische Strom- und Spannungsmessungen (Brückenmes- sung) an den fertig geschalteten Ge- räten. Meßwerte, bei denen die zuge- lassenen Toleranzen überschritten wer- den, sind mit einem Blick auf den Kon- trollstreifen zu erkennen.

1 Heft5 / FUNKSCHAU 1954

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IV Heft5/ FUNKSCHAU 1954

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26. JAHRGANG

1. März-Heft 1954 Nr. 5

»Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage«

Dieses berühmtgewordenen Satzes aus Shakespeares „Hamlet“ erinnert man sich unwill- kürlich, wenn man unter dem Eindruck der in den letzten Jahrzehnten errungenen Fort- schritte aller technischen Wissensgebiete den Versuch macht, das früher so schön abgrenz- bare Gebiet der Hochfrequenztechnik und insbesondere der Radiotechnik neu zu umreißen. „Sein“ bedeutet in diesem Zusammenhang, daß sich die Hochfrequenztechnik als selbstän- diges, klar abgrenzbares Arbeitsgebiet behaupten könnte. Dem „Nichtsein“ jedoch käme das Ab»leiten dieses großen Gebietes zu einem Ästchen am Baum der Elektronik ameri- kanischer Lesart gleich.

„Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!“ Eine Frage, die wir heute noch nicht defini- tiv beantworten können. Immerhin haben wir um den Lebenden, wie denen, die nach uns kommen, die Durchdringung des terminologischen Urwalds etwas zu erleichtern schon einmal!) den schüchternen Versuch unternommen, die Elektronik als Gebiet für sich zu behandeln, ohne ihr die gesamte Rundfunktechnik unterordnen zu müssen; doch litt das erhoffte Echo offensichtlich unter der Dämpfung aus Gleichgültigkeit einerseits und ameri- kanischem Vorbild andererseits. Denn in unserem Fachgebiet kommt das Licht aus dem Westen.

Zwar hat sich auch die FUNKSCHAU dankenswerterweise und mit schönem Erfolg bemüht, durch Schaffung der ELEKTRONIK-Beilage eine Abgrenzung zu erleichtern, doch sind die einzelnen Gebiete so hoffnungslos ineinander verfilzt, daß sich alle Beteiligten vor schier unlösbare Aufgaben gestellt sehen, wenn es um die Ordnung und Einordnung geht. Wer’s nicht glaubt, versuche spaßeshalber einmal einen elektronischen Überholmelder für Kraftfahrzeuge in die Dezimalklassifikation einzuordnen.

Vielleicht scheint dieses Beispiel manchem Leser schon zu abseits zu liegen dann möge er ein wenig Redaktion spielen und selbst entscheiden, ob z. B. ein Aufsatz über drahtlose Bandspielgeräte in Amerika in die Rubrik Hochfrequenz gehört, weil die vom Hörkopf abgetastete Modulation auf ein Senderchen gegeben wird, das sie drahtlos einem Empfän- ger zur Wiedergabe übermittelt, oder in die Rubrik Niederfrequenz, wie alle anderen Magnettongeräte, oder vielleicht in die Spalte „Das Neueste“, weil hierzu erstmals Tran- sistoıen benutzt werden, oder aber in die Elektronik-Beilage, weil in dem Aufsatz beschrie- ben wird, wie man mit der gleichen Anordnung den Ablauf ganzer Fabrikationsprozesse programmsteuern kann.

Es ist wahrhaftig nicht einfach, sich bei solchen Fragen klar für das eine oder das andere zu entscheiden, weil unsere Technik nach allen Richtungen hin längst ihre Grenzen erreicht und gesprengt hat. Von einem Mann, der sich Hochfrequenztechniker nennt, nimmt man als selbstverständlich an, daß er auch die gesamte Niederfrequenztechnik und ein gut Teil Elektroakustik beherrsche, weil dies nun mal zur Radiotechnik als der wichtigsten Gruppe der Hochfrequenztechnik gehört. Früher oder später aber wird derselbe Mann mit den Grenzen seines Gebietes in Berührung kommen. Er wird z. B. über UKW-Therapiegeräte in die Elektromedizin gelangen, wo ihn die Bekanntschaft mit Röntgengeräten wiederum zu den Quellen der Elektronik zurückführen kann, oder wo ihn die Beschäftigung mit einem Elektroencephalographen mitten in das Gebiet der Neurologie und von hier aus in die so eng mit der Nachrichtentechnik zusammenhängende Kybernetik leiten mag. Beschäftigt sich aber unser Freund erst einmal mit der Kybernetik, so findet er sich im Zentrum eines Pentagons verschiedenster Wissensgebiete wieder, zu denen die Physiologie ebenso gehört wie die Regelungstechniken unserer Wärmewirtschaftler und Industrie-Elektroniker, die Informationstheorie ebenso wie die Therapeutik aller Disziplinen.

Doch braucht man gar nicht in so großem Rahmen zu denken, um die Verflechtung unserer Technik mit anderen Gebieten zu spüren. Sehen wir uns beispielsweise ein simples Elek- tronenblitzgerät an: es enthält neben der mißtrauisch betrachteten Blitzröhre doch im wesentlichen nur Einzelteile, wie sie in jedem Rundfunk- oder Fernsehempfänger vor- kommen können. Wer soll das Gerät nun reparieren, wenn Eile not tut? Erfahrungsgemäß landet es in den meisten Fällen bei einem Radio-Praktiker, der sich unverhofft diesem Fall gegenübersieht und dann sehr ungehalten wäre, wenn er in seiner (Hochfrequenz-!) Fach- zeitschrift nichts darüber fände, obgleich doch in diesem Gerät nur die Impulse etwas mit Hochfrequenz zu tun haben. Oder nehmen wir als Beispiel die elektronische Schaltuhr eines Kopiergerätes. Sie enthält Röhren, Relais, Widerstände und Kondensatoren. Ein Foto- laborant kann dies mit einem Blick unter die Abdeckhaube feststellen und wird sich sofort an einen ‚Radiomann‘ wenden, weil er das Gerät braucht und nicht auf Ersatz von. der Fabrik warten kann. Ein ähnlicher Fall kann eintreten, wenn eine simple Lichtschranke zur Zählung von Konservendosen ausfällt. Die Reihe der Beispiele ließe sich beliebig fort- setzen. Immer mehr elektronische Geräte finden in nichtelektronische Wirtschaftszweige Eingang man braucht sie dort wie das tägliche Brot, und wenn sie einmal versagen, steht u. U. der ganze Betrieb still. Das Herstellungswerk ist weit, und Ersatz trifft auch bei telegrafischer Bestellung meist erst nach Tagen ein. Was liegt näher, als im Hinblick auf die Röhren, Widerstände und Kondensatoren im Innern des geheimnisvollen Gerätes sich zunächst an den Strohhalm in Gestalt des nächsterreichbaren RAdiofachmannes zu klammern?

Zwischen diesen letzten einfachen Beispielen und den vorher erwähnten Zusammen- hängen gibt es nahezu kontinuierlich abgestufte Zwischenlösungen, ob es sich nun um ein ferngesteuertes Flugzeugmodell, um einen automatischen Garagenöffner oder um die elek- tronischen Strahlenwarngeräte des angelaufenen Atomzeitalters handeln möge.

Nein, es besteht kein Zweifel, daß wir uns mehr und intensiver mit der speziellen Elek- tronik befassen müssen. Zur Elektronik gehören z. B. auch die Halbleiter-Verstärker (dielektrische Verstärker und Transistoren), die zunächst den typisch elektronischen An- wendungen und später wohl auch der Empfängertechnik neue Impulse verleihen werden. Und damit kommen wir wieder zum Ausgangspunkt dieser Skizze: wo ist die Grenze? Ist dies alles, ist dieser Riesenkomplex moderner Technik Elektronik und ist die Rundfunk- technik nur ein bescheidener Zweig dieses Gebietes? Oder ist die Elektronik lediglich ein

(Schluß des Aufsatzes siehe nächste Seite) \) Nr. 1 (April 1952) der ELEKTRONIK, Ingenieur-Beilage zur FUNKSCHAU 1952, Heft 7.

Im Vorjahr wollte die Industrie einhunderttausend Fernsehempfän- ger bauen. Sie hat davon nur 55 Pro- zent erreicht und doch darf man zufrieden sein. Immerhin konnten etwa 30000 Geräte „echt“ verkauft werden, während der Rest auf Lager liegt. Auch der Januar brachte ein zumindest befriedigendes Geschäft. Die Beliebtheit der 43-cm-Bildröhre steigt; kleinere Bilder sind billiger zu haben, beispielsweise wurde ein Empfänger mit der 36-cm-Bildröhre einer großen Firma kürzlich radikal um 300 DM herabgesetzt. Obwohl die Entwicklung zur größeren Röhre den Röhrenherstellern aus verschiedenen Gründen z.Z. einige Schwierigkeiten bereitet, läßt sich hier nichts auf- halten.

Am Rande sei erwähnt, daß nach Nordrhein - Westfalen nicht etwa Hamburg als bestes Fernsehgebiet bezeichnet werden darf, sondern das aufgeschlossene Frankfurt, dessen Fernsehsender auf dem Feldberg eine ideal zu nennende Reichweite besitzt.

Über die Aussichten im laufenden Jahr gehen die Meinungen sehr aus- einander. Die Optimisten glauben, daß 150000 Fernsehempfänger ab- setzbar sind, die anderen halten diese Zahl für zuhoch. Weil nun das Fern- sehen voller Überraschung steckt, tut man gut, sich der Stimme zu enthalten. Die maßgebenden Männer der Industrie dürfen das natürlich nicht, denn von ihren Entscheidun- gen hängt die Höhe der Auflage ab. Es ist jedoch klar: diesmal ist der Fernsehstart trotz einiger Fehlzün- dungen gelungen (offen gesprochen wir glaubten es nach der Funk- ausstellung nicht), und die Dinge werden sich nicht ohne Rück- schläge zwar positiv entwickeln, zumal die Programme nicht nur län- ger sondern auch besser werden.

Die Rundfunkgeräteproduktion hat dagegen die kühnsten Vorhersagen übertroffen. Mit 2,7 Millionen Emp- fängern (darunter 140000 Koffer- geräte und 115 000 Autosuper) sind die Rekordzahlen der Vorjahre er- neut überholt worden. Ziehen wir 0,5 Millionen exportierte Empfänger ab, so bleiben für das Inland noch immer 2,2 Millionen Stück. Sie wur- den tatsächlich verkauft, denn die Lager im Groß- und Einzelhandel sind heute viel kleiner als vor Jah- resfrist! Trotz kleiner Schönheits- fehler wie Versandhandel, unerfreu- lich viele Neuheiten und dem immer lästiger werdenden Druck der Alt- geräte haben Industrie und Handel allen Grund zufrieden zu sein, denn auch Phonogeräte, Schallplatten und Zubehör wie etwa Antennen ver- zeichnen ebenfalls steigende Um- sätze. N 5

78 Heft5/FUNKSCHAU 1954

D AS N E UE STE aus Radio- und Fernsehtedhnik

Elektronenstrahl-Hörkopf für Magnettongeräte

In der Magnettontechnik werden bis heute ausschließlich Hörköpfe nach dem elektrodynamischen Prinzip benutzt, bei denen die Wiedergabespannung propor- tional der Änderung des magnetischen Flusses ist. Infolgedessen steigt die Span- nung mit wachsender Frequenz an, bis Spalt- und Selbstentmagnetisierungseffekt den Anstieg begrenzen und schließlich diesem gegenüber überwiegen. Um einen geradlinigen Frequenzgang zu erzielen sind mehr oder weniger umfangreiche Entzerrungsmaßnahmen erforderlich.

Skellett, Leveridge und Gra- tiani) beschreiben einen neuartigen Auf- nahmekopf, bei dem der vom Band abge- tastete magnetische Fluß einer kleinen Katodenstrahlröhre zugeführt und in die- ser der Elektronenstrahl in Abhängigkeit von der Größe des Flusses abgelenkt wird. Die Anordnung arbeitet gleichzeitig als Verstärkerröhre nach dem Ablenkprinzip. Die Ausgangsspannung ist nun nicht mehr von der FlußRänderung abhängig, und sie ist damit unabhängig von Frequenz und Bandgeschwindigkeit. Die Ausgangs- spannung ist ferner um Größenordnungen höher als bei normalen Hörköpfen.

Band Spalt

Polbleche Glaskolben Elektronenstrahl

Bild 1. Prinzip des Elektronenstrahl-Hörkopfes

Bild 1 zeigt das Prinzip des neuen Kop- fes. Der Bandfluß wird wie bisher im Spalt eines Magnetkerns aufgefangen. Der Fluß wird auf zwei im Inneren der Röhre angebrachte Polbleche übertragen, die sich zur Mitte hin verjüngen. Der Elektronen-

1) Skellett, A. M., Leveridge, L.E. und Gra- tian, J. W. Electronics 26 (1953), Okt., S. 168-171

(Fortsetzung von der vorhergehenden Seite

gleichberechtigter Partner neben der Radio- technik, der Fernsehtechnik, der Elektro- akustik und der Fernmeldetechnik um nur einige Begriffe zu nennen der mit allen anderen Gebieten eng verschwistert und verschwägert ist? Vom Standpunkt des Praktikers aus ist dies wohl die an- genehmste Lesart, wenn auch die ameri- kanische Auffassung, daß nämlich die Elek- tronik der rechtmäßige Oberbegriff für alle genannten Zweige sei, viel Freunde gewonnen hat. Gräbt man jedoch in die Tiefe, so wird man ganz bescheiden fest- stellen müssen, daß schließlich und endlich alle unsere technischen Errungenschaften nichts anderes sind als angewandte Physik. Der Streit um den Oberbegriff die Frage nach Sein oder Nichtsein der Hochfrequenztechnik als selbständiges Fachgebiet wäre also recht müßig, wenn nicht zwingende Gründe für eine Ordnung der Begriffe sprächen. Zu den zwingenden Gründen gehört u. a. das Gesamtproblem der Dokumentation und hierin ganz spe- ziell die beiden Fragen, was der Leser in seiner Fachzeitschrift zu finden wünscht, und was die Zeitschrift dem Leser mittei- len m. u ß, auch wenn es ihn im Augenblick vielleicht noch nicht interessiert. Doch dar- über das nächste Mal! Herbert G. Mende

strahl fließt in Längsrichtung zwischen den Polblechen hindurch und wird bei Vor- handensein eines Feldes nach oben oder unten abgelenkt.

In Bild 2 ist der innere Aufbau der Röhre dargestellt. Der Elektronenstrahl bleibt trotz Ablenkung immer im Wir- kungsbereich des Feldes, so daß sich eine

Polbleche Anodenblech

Sfrahlerzeugungssystem

Ablenkspalt

Bild 2. Innenaufbau des Elektronenstrahl-Hörkopfes

hohe Ablenkempfindlichkeit ergibt. Nach Verlassen des Ablenkfeldes gelangt der Strahl gemäß Bild 3 auf die aus zwei Tei- len bestehende Anode. Die von diesen Tei- len abnehmbare Spannung ist also gleich der Differenz der auf die Platten gelan- genden Elektronenströme und damit pro- portional der Ablenkung. Die Ausgangs- spannung in Abhängigkeit vom magne- tischen Fluß im Ablenkbereich gibt Bild 4 wieder. Die Kurve ist imBereich +1Gauss linear. Das ist mehr, als benötigt wird, da der von Magnettonbändern abgenommene Fluß in der Größenordnung 0,02 Gauss liegt.

Der in Bild 1 dargestellte Kopf wurde durch die in Bild 5 wiedergegebene An- ordnung verbessert. Der magnetische Wi- derstand des relativ großen Spaltes im Ablenkbereich ist so groß, daß der Wider- stand der magnetischen Zuführung hier- gegen verschwindet. Es genügt daher als „Kern“ ein einziges Mu-Metallblech von 0,35 mm Dicke. Dieses wird gemäß Bild 5 im Inneren eines aufgebohrten, aus zwei Teilen bestehenden Metallkörpers aufge- klebt. Der Abnahmespalt besteht aus einer 7 w dicken Molybdänzwischenlage. Der „Kern“ ist magnetisch durch zwei Arme aus Mu-Metallblech „verlängert“, so daß

Strahlerzeugungs- system

t

Linse

Bild 3. Schaltung des Elektronenstrahl-Hörkopfes

eine große Auflagefläche des Bandes er- zielt wird, was zu einer besseren Wieder- gabe der tiefen Frequenzen führt.

Gemäß Bild 4 beträgt die Empfindlich- keit 15 V/Gauss. Mit einem bis zur Sät- tigung magnetisierten Tonband ergeben sich etwa 0,04 Gauss im Ablenkbereich, so daß maximal etwa 0,6 V Ausgangsspan- nung des Hörkopfes zu erwarten sind. Hiermit ist gegebenenfalls direkter An- schluß an den Tonabnehmereingang eines Empfängers möglich.

In Bild 6 ist der Frequenzgang des Elek- tronenstrahl-Hörkopfes im Vergleich zu einem normalen Hörkopf gezeichnet. Die

so} Belastungs- widerstände je 00. kS2

Eh u SEID SER T DM 820 B(6auß) Bild 4. Ausgangsspannung in Abhängigkeit vom Feld im Ablenkbereich

db-Maßstäbe sind dabei verschieden, da die Ausgangsspannung des Elektronen- strahl-Hörkopfes wesentlich größer als die des normalen Kopfes ist. Der Fre- quenzgang des Elektronenstrahlkopfes ist weitgehend linear, insbesondere bei den tiefen Frequenzen, theoretisch bis Null Hertz (Gleichfeld). Der normale Kopf be- sitzt den bekannten w- Gang. Bei den hohen Frequenzen ist der normale Kopf etwas besser, da der Spalt- und Selbstent- magnetisierungseffekt durch den w - Gang des Frequenzgangs z. T. kompensiert wird. Da der Elektronenstrahlkopf keinen oa - Gang besitzt, muß der Abfall bei den hohen Frequenzen daher eher einsetzen. Durch einfache RC - Entzerrungsglieder kann die obere Grenzfrequenz aber wesent- lich heraufgesetzt werden, wie die Kur- ven C und D zeigen.

Spalt- Zwischenlage

N

Kernblech

Bild 5. Die Teile des verbesserten Elektronen- strahl-Kopfes

Die Hauptvorteile des Kopfes sind, neben der hohen Ausgangsspannung, der geradlinige Frequenzgang und die verbes- serte Wiedergabe der tiefen Frequenzen. Dies ist vor allem auch bei der Anwen- dung des Magnettonprinzips für Spezial- und Meßzwecke wichtig. Durch den a&-Gang und die damit verbundenen Ent- zerrungsmaßnahmen entstehen Fehler, deren Beseitigung einen erheblichen Auf- wand erfordert (Frequenzmodulation), wo- durch die Anwendung von Magnettonge- räten bisher stark eingeengt war.

Herbert Lennartz en) TI A o I 177 Anm 1 I Ir III PALIN Bl IN ll) LEN 7 A: ohne Entzerrung

30 C:Entzerrung miteinstufigem RC-Glied 0: Entzerrung mit zweistufigem RC-6lied

SS

8 ST Ss

relative Ausgangsspannung

5m

50 100 500Hhz1 3 MW 2OkHz

Frequenz

Bild 6. Frequenzgang des Elektronenstrahl-

Hörkopfes ohne Entzerrung (A) im Vergleich

zum Frequenzgang eines normalen Hörkopfes

(B) und Frequenzgang des Elektronenstrahl-

Kopfes bei Entzerrung mit einem (C) bzw. zwei (D) RC-Gliedern

Der hohe Turm von Stuttgart

Die geographische Lage Stuttgarts be- günstigt die UKW-Ausbreitung keinesfalls. Das Zentrum der Stadt liegt in einem Kessel von etwa 250 m Seehöhe und ist mit einem im Durchschnitt 150 m hohen Talrand umgeben, der wiederum durch Nebentäler eingekerbt ist. Will man die Stadt durch UKW versorgen, so bleibt nichts anderes übrig, als sie von der Höhe „auszuleuchten“. Das geschieht u. a. durch die UKW-Rundfunksender in Degerloch. Für guten Fernsehempfang müssen aber die Feldstärken noch besser sein, so daß die Sendeantenne möglichst hoch anzu- bringen ist, Wie erinnerlich ist, führten diese Schwierigkeiten einmal zu Anfragen bei der amerikanischen Großstadt Pitts- burgh, die ebenfalls in einem Talkessel liegt.

Die geographischen Gegebenheiten er- klären den Plan, auf dem Hohen Bopser bei Degerloch, in der Nähe der Sportplätze, einen Sendeturm von 150 m Höhe mit einer 58 m langen Mehrfachantenne für Fern- sehen und UKW zu errichten. Der Fuß- punkt dieser Antenne wird sich dann 632 m über dem Meeresspiegel oder rd. 350 m über der Talsohle erheben, so daß man vorzüglich in die angrenzenden Täler strahlen kann.

Dr.-Ing. Fritz Leonhardt, Regierungsbau- meister in Stuttgart, will an Stelle eines häßlichen Stahlgittermastes mit Abspan- nung eine freitragende Röhre aus Spann- beton erstellen, die am Fuß mit 9 m Durch- messer beginnt und sich nach oben auf 5 m verjüngt. Dazu sind 3000 Tonnen Be- ton nötig. Die Turmröhre endet fünf Meter unter der Erdoberfläche auf einem 26 m breiten, flachen Hohlkasten als Ringfunda- ment, das mit hydraulischen Pressen ver- sehen ist. Mit diesen Pressen kann die riesige Säule jederzeit wieder lotrecht aus- gerichtet werden, falls der Boden sich sen- ken sollte eine kühne und großartige Idee, wenn man bedenkt, welche Grund- fläche z. B. der Eiffelturm dagegen besitzt.

Als besondere Attraktion wird die Turm- spitze einen fünfstöckigen, ringförmig an- gebrachten Überbau von 15 m Höhe erhal- ten, Sein oberer Durchmesser beträgt 15, sein unterer 12 Meter. Neben einer über- dachten Aussichtsplattform ist ein zwei- stöckiges Restaurant mit Raum für 140 Gä- ste, Küchen- und Waschräumen sowie ein besonderes Stockwerk für den Fern- sehsender vorgesehen. Die Verbin- dung zwischen diesem Teil und dem Boden soll von zwei Expreßlifts für 8 und 16 Per- sonen mit nur 40 Sekunden Fahrzeit sowie einer Nottreppe mit 800 Stufen übernom- men werden. Als Überraschung für die Besucher wird in die Fahrstühle ein Ton- bandgerät mit Verstärker eingebaut, das in Stichworten während der kurzen Fahrt über die Besonderheiten der Turmkon- struktion unterrichtet.

Der Turmfuß beherbergt einen Wandel- gang mit Fernsehgeräten, die während der Sendezeit in Betrieb sind. Angebaut sind eine Halle und ein weiteres Restaurant. Ein zweiter Anbau soll die Büros, betriebs- technische Räume und den Sendesaal für zwei UKW-Sender aufnehmen.

Fernsehsender

Die Aufstellung des Fernsehsenders auf dem Turm an Stelle einer Placierung am Boden empfiehlt sich aus verschiedenen Gründen. Einmal ist die Verbindung zwi- schen Sender und Antenne denkbar kurz und daher verlustfrei; die eingesparten Kosten für das Sendekabel dürften bei 20 000 DM liegen. Zweitens wird die Bild- modulation drahtlos vom nächsten Fern- meldeturm der Deutschen Bundespost auf dem Frauenkopf mit Hilfe eines Dezi- Spiegels übernommen, der naturgemäß hoch oben angebracht sein muß. Stünde der Fernsehsender am Fuße des Turms, so müßte die Bildmodulatinn hinunter und die Senderenergie wieder hinauftranspor- tiert werden. Die Stahlbetonkonstruktion

des Turms stellt sicher, daß die Spitze und damit der Empfangs-Parabolspiegel der Dezistrecke nicht unzulässig schwankt der Rundbau auf der Turmspitze wird bei höchsten Windstärken nur 20 cm aus der Normallage verschoben werden können.

Der Fernsehsender soll 10 kW Bild- und 2 kW Tonträgerleistung aufweisen und auf eine 12fach bündelnde Fernsehantenne arbeiten, so daß über 100 kW effektive Strahlungsleistung erzeugt werden. 80 bis 100 km Reichweite dürften sicher sein.

Außerdem will die Bundespost Anlagen für Mehrfachtelefonie, Landstraßen- und Stadtfunk usw. montieren und damit die ideale Höhe ausnutzen.

Die Kosien

... des Turmes ohne technische Installa- tion, Geländeaufschließung und Restau- rantausstattung sind mit 1,4 Millionen DM veranschlagt. Hier sind die größten Posten der Rohbau mit 440 000 DM und die Auf- züge mit 170 000 DM. Die Blitzschutzanlage wird beispielsweise 10 000 DM, der Außen- anstrich jedoch 20000 DM kosten.

Als Träger des Bauobjekts soll eine Ge- sellschaft mit beschränkter Haftung ins Leben gerufen werden, deren Gesellschaf- ter älle interessierten Gruppen vom Süd- deutschen Rundfunk bis zur Bundespost sein werden. Dem Vernehmen nach sind die Kapitalien bereits gesichert.

Das Bauwerk dürfte zweifelsohne für Stuttgart und darüber hinaus für Süd- deutschland ein Anziehungspunkt erster Ordnung und vor allem ein beliebtes Aus- flugsziel werden. Dies allein rechtfertigt schon die Aufwendungen, die z.B. für die Gaststätten gemacht werden. Bei recht- zeitigem Baubeginn ist mit der Betriebs- aufnahme noch in diesem Jahre zu rech- nen. ET:

Kombinationen aus Ferrit- und Pulverkernen

Um geringe Verluste und einen kleinen Temperaturkoeffizienten zu erzielen, müs- sen Ferritkerne geschert werden !) Verlust- faktor tgö und Temperaturkoeffizient Ay/uo gehen dann im Verhältnis yett/uo, d.h. im Verhältnis der effektiven zur Anfangsper- meabilität zurück. Bei einem optimal be- messenen Luftspalt ist im allgemeinen die effektive Permeabilität eines Ferritkerns immer noch größer und die Verluste sind immer noch kleiner als die eines vergleich- baren Fulverkerns.

Die Herabsetzung der Permeabilität braucht nicht unbedingt durch einen wirk- lichen „Luft“-Spalt zu erfolgen. Es ist auch denkbar, in den Spalt ein Magnetmaterial geringerer Permeabilität einzufügen. Man kann dabei so vorgehen, daß man z.B. einzelne Teile eines Topfkerns aus Ferrit, andere aus Eisenpulver-Werkstoff herstellt. Dadurch werden die guten Eigenschaften des offenen Ferritkerns mit geringem Streufeld und niedrigen Verlusten ver- bunden. So besitzt ein Topfkern mit einem Mittelzapfen aus Ferrit und mit den um- gehenden Teilen aus Pulverkernwerkstoft eine höhere effektive Permeabilität und ergibt eine Spule höherer Güte als ein ent-

‘) Der Begriff Scherung kommt von der Hystereseschleife her, die sich neigt (odeı „schert“), wenn ein magnetischer Kreis von einem Luftspalt oder durch ein Zwischen- stück aus Material mit höherem magnetischen Widerstand unterbrochen wird. Je größer der Luftspalt, desto größer ist der magnetische Widerstand, also desto größer die Scherung. Ausgehend von einem Ringkern (Toroid), der aufgeschnitten ist, kann man den Luftspalt immer mehr vergrößern, wenn man den Kern aufbiegt. Bei gestreckter Länge ergibt sich ein Stabkern, der also nichts anderes als ein Kern mit „großem Luftspalt“ ist.

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sprechender Topfkern aus reinem Pulver- kernwerkstoff. Ein „Luft“-Spalt im eigent- lichen Sinne ist dabei nicht vorhanden und Änderungen der effektiven Permeabilität, die durch zeitliche oder mechanische Än- derungen eines Luftspaltes eintreten könn- ten, sind nicht zu erwarten.

n=32Wdg. Ken

F(kHz) 400 600 800 1000 1200 1490 1600

GütekurvenvonTopfspulen mit aus verschiede- nen Werkstoffen zusammengesetzten Kernen. Man erkennt, wie beikürzer werdendem Ferrit- weg die notwendige Windungszahl, aber auch die Güte ansteigt. (Vogt & Co.,Erlau bei Passau)

Auf Grund vorstehender Überlegungen entwickelte die Firma Vogt & Co., Erlau, bei Passau, Kombinationskerne. Das Bild zeigt die Gütekurven einiger Spulen von jeweils 200 uH auf gleichem Kern, der jedoch jeweils aus verschieden zusammenge- setzten Materialien aufgebaut ist. Kurvel gibt die Gütekurve einer ganz aus Ferrit bestehenden Topfspule wieder. Die hohen Verluste des geschlossenen Kerns ergeben eine niedrige Güte. Bei der Kurve 2 be- stand der äußere Zylinder aus Eisenpulver- werkstoff, die anderen Teile waren aus Ferrit. Die effektive Permeabilität ist zwar zurückgegangen, die Güte aber gestiegen. Kurve 3 zeigt die Güte einer Topfspule mit einem reinen Pulverkern. Ihre Güte und effektive Permeabilität werden jedoch durch die Spule mit Kombinationskern, bei dem der Mittelzapfen aus Ferrit und die übrigen Teile aus Eisenpulverwerkstoff bestanden, noch übertroffen (Kurve 4).

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Geätzte Schaltungen

In der FUNKSCHAU 1953, Heft 11, Seite 193, berichteten wir aus England über ein Verfahren, auf flexiblen Isolier- bändern durchgehende Scheibenwicklungen für Transformatoren durch Drucken und Ätzen aufzubringen. Dieses Verfahren ist in Deutschland durch das vom 11. Dez. 1951 an laufende Deutsche Patent Nr. 906 831 geschützt. (Fatentinhaber: Rudolf Sliwka; Datum der Fatenterteilung: 5. 12. 1953). Die Fatentansprüche lauten:

1. Induktionsspulen bestehend aus Iso- lierstoff mit spiralförmig gedruckten, ge- spritzten oder galvanisch niedergeschla- genem Leitstoff, dadurch gekennzeichnet, daß auf einem biegsamen Isolierband be- liebig viele Spiralen beiderseits angebracht sind, die eine zusammenhängende ununter- brochene Leitung bilden, aus der durch Falten eine Induktionsspule geformt ist.

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Geätzte Schaltungen (Fortsetzung)

2. Induktionsspule nach Anspruch 1, da- durch gekennzeichnet, daß in die Falten des Isolierbandes vergrößerte, kühlrippen- bildende Platten aus guten Wärmeleitern eingelegt sind. .

3. Induktionsspulen nach Anspruch 1 und 2 dadurch gekennzeichnet, daß in die Falten des Bandes elastische Einlagen gesteckt sind, derart, daß durch eine regulierbare Preßvorrichtung eine Abstimmung (Vario- meterwirkung) erreicht ist.

Die zugehörige Zeichnung zeigt das gleiche Prinzip der Spulenherstellung, wie sie in der Wireless World vom Dez. 1952 beschrieben wurde. Geringere Kosten, verkleinerter Wickelraum infolge des recht- eckigen Leitungsquerschnittes und bessere Wärmeableitung sind die wichtigsten Vor- teile dieser Bauart.

Ein Leben für den Funk

Zu den Pionieren der Funktechnik, über die uns Dr. Eugen Nesper manchen Beitrag, darunter auch den untenstehenden, schrieb, gehört auch Dr. Nesper selbst. Seine Berichte wirken deshalb so unmittelbar, weil er alle die großen Wissenschaftler, Techniker und Organisatoren der Funktechnik persön- lich kennt und jahrzehntelang mit ihnen zusammen arbeitete. Dies begann bereits 1897 mit den denkwürdigen ersten Funkversuchen auf deutschem Boden unter Professor Slaby. Bereits vor 50 Jahren am 6. März 1904, er- rang Nesper den Doktorhut mit seiner Arbeit „Strahlung von Spulen“, bei der er bereits Zentimeterwellen verwendete und alle Ver- suchsaufbauten selbst schuf.

Jahrelang bekleidete er leitende Stellen ın der Industrie bei Telefunken, Lorenz, Birg- feldt und anderen, und er erlebte die Pio- nierjahre mit der Errichtung der Großfunk- stellen Nauen und Norddeich und mit der Schaffung der Lichtbogen- und Maschinen- sender in vorderster Front. Seine ganze Kraft setzte er dann für das aufkommende Rundfunkwesen ein. Unzählige seiner Ver- öffentlichungen und Vorträge schulten eine ganze Generation von Hf-Technikern, und seine Konstruktionen, darunter ein Bildfunk- empfänger und der weltbekannte Dr.-Nesper-

Ein Pionier der Funktechnik: Dr. Siegmund Loewe

Auch dieser schöpferische Funkmann ge- hört zu den Leuten, deren Entwicklung nicht geradlinig verlaufen ist; wir können vielmehr recht interessante Kurven fest- stellen. Beinahe selbstverständlich ist, daß Siegmund Loewe als Schüler nicht viel taugte und seinen Ehrgeiz im Rekord mög- lichst zahlreicher Arreststunden und ande- rer wenig schätzenswerter Betätigung ein- setzte, was schließ- lich zu seinem con- silium abeundi führ- te. Der einer alten

Gelehrtenfamilie entstammende Va- ter, Dr. med. Lud- wig Loewe, brachte den wenig hoff- nungsvollen Jüng- ling in einer Tisch- lerschule unter, in der jedoch Sieg- mund eine leiden- schaftliche Liebe zur Astronomie be- fiel. Prof. Förster von der Urania (Berlin) riet jedoch drin- gend ab, dieser Liebe zu folgen. Hin- gegen machte Loewe in der optischen Werkstatt von G. Halle eine gute ein- einhalbjährige Lehrzeit durch, um später in der damals sehr angesehenen Berliner Handwerkerschule, unter den Professoren Szymanski, Orlich und Lemann den er- forderlichen Schliff in Optik, Mechanik und Instrumentenkunde zu erhalten.

Dann aber siedelte er zusammen mit Prof. Lemann in die Physkalisch-Tech- nische Reichsanstalt in Berlin-Charlotten- burg über, und er erlernte hier die Kunst der Präzisionsmessungen. Etwa zu gleicher Zeit hörte er an der Berliner Universität und an der Technischen Hochschule Char lottenburg bei Professor Slaby Elektro- mechanik und die gerade im Entstehen begriffene Funkentelegrafie, so daß er, nachdem er inzwischen einige Schul- examina gleichsam im Handumdrehen ab- solviert hatte, bereits 1905 als Ingenieur bei Telefunken eingestellt wurde.

Trotz praktischer Erfolge in der Indu- strie ging dann Loewe aber 1910 zu Max Wien nach Jena, um sich theoretisch zu vervollkommnen. Er promovierte dort 1912 in Physik, Elektrotechnik und Astronomie magna cum laude, um sich dann wieder bei Telefunken im Senderbau (Hochfre- quenzmaschinen, Frequenzvervielfachung) erfolgreich zu betätigen. 1914 übernahm Loewe die technische Leitung der E. F. Huth GmbH, und hier hatte er nicht nur Gelegenheit, sein bereits großes Wissen und Können auf verschiedenen Gebieten einzusetzen, sondern sich auch besonders eindrucksvoll patentrechtlich zu betätigen. Nach Kriegsende verfügte die Firma über mehr als 600 Schutzrechte, für die nicht zu geringem Teil Loewe als Erfinder zeichnete.

Gegen Kriegsende übernahm er auch die Leitung der Radioröhrenfabrik Müller in Hamburg, und kurz darauf errichtete er in Berlin, am Halleschen Tor, ein eigenes Labor, in dem an der Radiotelefonie, dem sprechenden Film und anderen damals be- sonders aktuellen Erfindungen gearbeitet wurde. Dieses Labor war neben der Fabrik von G. Seibt ein Sammelpunkt aller damals vorausschauenden Techniker. So arbeitete zeitweise in Loewes Labor Dr. L. de Forest (Winter 1919/20), und hier verdiente sich auch der junge Manfred von Ardenne mit seiner Widerstandskopplung die ersten Sporen. Bald darauf gründete Siegmund Loewe zusammen mit seinem älteren Bruder David Loewe die: Radio- Frequenz GmbH, aus der schließlich die Loewe-Opta hervorgegangen ist.

Leicht wurde das Leben den damals neu hinzukommenden Empfängerbaufirmen nicht gemacht, da die bisherigen Patent- inhaber auf ihre Vorrechte bedacht waren. Es bedurfte mancher Verhandlungen und Prozesse, bis schließlich der Verband der Funkindustrie, zu deren Mitbegründern Loewe gehörte, das Recht zur Lizenzver- gebung für seine Mitglieder erhielt. Zu- nächst aber waren gewisse Anordnungen von allgemeiner Verwendung ausgeschlos- sen, wie z. B. die Hochfrequenzverstär- kung, obwohl diese de Forest bereits 1907 angegeben hatte. Deshalb mußte sich Loewe in Verbindung mit von Ardenne zur Konstruktion der Mehrfach-Röhre ent- schließen, bei der in einem evakuierten Kolben mehrere Systeme mit ihren Kopp- lungsgliedern eingeschlossen wurden.

Schon 1920 hatte Loewe in einem Brief an seinen Bruder aus New York fast sehe- risch Ziele und Entwicklung des Hör- und Fernseh-Rundfunks vorausgeahnt, an dessen späteren Zustandekommen er maß- gebenden Anteil hatte und noch jetzt aus- übt. Als eine Großtat der beiden Brüder Loewe aber muß die Schaffung des Drei- fachröhrenempfängers gewertet werden, der 1927 auf den Markt gebracht wurde und mit dem mehrere Hunderttausend neue Hörer geworben wurden.

In der Folgezeit hat sich dann Siegmund Loewe intensiv um Spezialentwicklungen bemüht, unter denen die Fernsehempfän- ger an erster Stelle stehen, bis die Rassen- gesetze ihn zur Emigration in die Ver- einigten Staaten zwangen, wo er sich eine neue Existenz aufzubauen gezwungen war. 1948 war er zum ersten Male wieder in Deutschland, und inzwischen sind ihm die Loewe-Opta-Fabriken wieder zurückgege- ben worden.

Ein unerhört fruchtbares und an Erfol- gen reiches Leben breitet sich damit vor uns aus, und bei der anhaltend großen Energie und Schaffenskraft sind von Dr. Siegmund Loewe noch weitere Groß-

taten zu erwarten. Dr. Eugen Nesper

Kopfhörer, zeugten von seiner Begabung auf allen Gebieten. Sein reiches und schöpferi- sches Leben breitet er selbst in seiner Bio- graphie „Ein Leben für den Funk“) vor uns aus. Heute noch schafft der nunmehr 75jäh- rige unermüdlich am Schreibtisch und im Labor, Unter seinen jüngsten Arbeiten dürfte der Wechselrichter für Batteriegeräte, den er in der FUNKSCHAU 1953, Heft 15, Seite 270, beschrieb, noch von sich reden machen. Dank seiner Erfahrungen ist Dr. Nesper zu- gleich Pionier und Historiker, der Funktech- nik. Zu seinem jetzigen goldenen Doktor- jubiläum wünschen wir von ganzem Herzen, daß er uns noch recht lange bei guter Ge- sundheit als Vorbild eines schöpferischen Technikers dienen möge. Li

Ernst Scherb 50 Jahre

Zur gerechten Beurteilung eines Schiffes ist es unerläßlich den Kapitän zu kennen, denn auch hier heißt es: „Wie der Herr so’s Ge- scherr!“ Das gilt um so mehr, wenn das „Schiff“ eine Fabrik für Rundfunk- und Fern- sehgeräte sowie Kühlschränken ist und weit über zweitausend Menschen mit ihren Fami- lienangehörigen sicher über die Untiefen unseres verzwickten wirtschaftlichen Lebens dahinträgt.

Nun, Ernst Scherb, am 1. März fünf- zig Jahre alt geworden, steht auf der Kom- mandobrücke der SABA-Werke seit 1949 mit der ruhigen Sicherheit des altgedienten Offi- ziers, der sehr wohl weiß, welche Bedeutung straffe Führung und geschicktes Ansetzen aller Fähigkeiten seiner Mitarbeiter für den Erfolg haben. Er erkannte, wie wichtig es ist, die Meinung erfahrener Männer zu hören, sie auszuwerten und dann eine wohlüber- legte Entscheidung zu treffen, für die er aller- dings stets selbst verantwortlich bleibt.

Vor dem Kriege leitete das Geburtstagskind wenn dieser Ausdruck nicht als respektlos angesehen wird bereits eine große Firma als persönlich haftender Gesellschafter. Er weiß also wie man es macht, damit das Fir- menschiff alle Havarien vermeidet, wann Segel zu setzen und wann sie zu reffen sind. Ein neues Segel bläht sich im steifen Wind einer guten Konjunktur: die Kühlschrank- fertigung. Sie nimmt in der Firmenbilanz be- reits einen guten Platz ein, der sich weiter verbessern wird, sobald in Villingen das zweite Werk betriebsbereit ist und die Kapa- zität erhöht.

Unsere Glückwünsche begleiten Ernst Scherb in die zweite Hälfte seines Lebens-Jahr- hunderts! -r

1) Oldenbourg-Verlag, München.

FUNKSCHAU Herausgegeben vom

FRANZIS-VERLAG MÜNCHEN

Verlag der G. Franz’schen Buchdruckerei G. Emil Mayer

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Erscheint zweimal monatlich, und zwar am 5. und 20. eines jeden Monats. Zu beziehen durch den Buch- und Zeitschriftenhandel, unmittelbar vom Verlag und durch die Post. Monats-Bezugspreis für die gewöhnliche Aus- gabe DM 1.60 (einschl. ‚Postzeitungsgebühr) zuzüglich 6 Pfg. Zustellgebühr; für die Ingenieur - Ausgabe DM 2.— (einschl. Post- zeitungsgebühr) zuzügl. 6 Pfg. Zustellgebühr. Preis des Einzelheftes der gewöhnlichen Aus- gabe 80 Pfennig, der Ing.-Ausgabe DM 1.—. Redaktion, Vertrieb u. Anzeigenverwaltung: Franzis - Verlag, München 22, Odeonsplatz 2. Fernruf: 24181. Postscheckkonto Mün- chen 57 58.

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